Startlochbohren: Der erste Schritt entscheidet über die Bauteilqualität
Bevor der Draht beim Drahterodieren seine Bahn ziehen kann, muss oft eine winzige Bohrung her - das Startloch. Klingt nach einem Detail am Rande - ist aber der Punkt, an dem sich später entscheidet, ob ein Bauteil maßhaltig von der Maschine kommt oder nicht. Wer Startlochbohren als reine Nebensache behandelt, riskiert Ungenauigkeiten an einer Stelle, die im Nachhinein kaum noch zu korrigieren ist.
Was ist Startlochbohren?
Startlochbohren - auch Startlocherodieren genannt - ist ein funkenerosives Bohrverfahren, mit dem sehr präzise kleine Bohrungen in leitfähigem Material erzeugt werden. Statt eines mechanischen Bohrers, kommt eine dünne, sich stetig drehende Rohrelektrode aus Kupfer, Messing oder Hartmetall, zum Einsatz. Durch diese Rohrelektrode wird ein Dielektrikum, meist deionisiertes Wasser oder ein spezielles Öl, gepumpt, dass das Verfahren kühlt und die Bohrung gleichzeitig sauber ausspült. Der Werkstoff wird dabei nicht geschnitten, sondern durch Funkenerosion abgetragen. Das funktioniert unabhängig davon, wie hart das Material ist - auch gehärteter Stahl oder Hartmetall lassen sich so sauber und gratfrei durchbohren, typischerweise im Durchmesser zwischen 0,1 mm und 3,0 mm.
Wofür wird Startlochbohren gebraucht?
Der klassische Einsatzfall in der Erosion: Es soll eine geschlossene Kontur - etwa eine Innenform in einem Stanz- oder Spritzgusswerkzeug - per Drahterodieren geschnitten werden. Dazu braucht der Draht eine Einfädelbohrung, durch diese er überhaupt erst hindurchgeführt werden kann. Genau diese Bohrung liefert das Startlochbohren / Startlocherodieren, exakt positioniert. Darüber hinaus kommt das Verfahren zum Einsatz bei mehrfachen Lochbildern, gewinkelten Bohrungen oder feinen Kühlbohrungen, etwa im Formenbau sowie in der Luft-, Raumfahrt- und Turbinentechnik.
So läuft der Prozess ab
Die CNC-gesteuerte Maschine positioniert die rotierende Rohrelektrode exakt über der programmierten Position. Der Abstand zwischen Elektrode und Werkstück - der sogenannte Funkenspalt - liegt dabei nur im Bereich weniger hundertstel bis zehntel Millimeter. Über eine Serie elektrischer Entladungen arbeitet sich die Startlochelektrode langsam in das Material ein, während der ständige Spülstrom den abgetragenen Werkstoff aus der Bohrung spült. Verschleißt die Elektrode während des Prozesses, wird sie automatisch nachgeschoben, damit Durchmesser und Zylindrizität der Bohrung konstant bleiben.

Warum Präzision hier über alles entscheidet
Mit einer Startlochbohrung beginnt buchstäblich die Wertschöpfungskette - jeder Fehler an dieser Stelle pflanzt sich in die folgenden Arbeitsschritte fort:
- Falsche Position: Sitzt das Startloch auch nur wenige hundertstel Millimeter daneben, verschiebt sich die gesamte nachfolgende Drahterodier-Kontur. Das Bauteil läuft dann aus der Toleranz, oft erst sichtbar, wenn schon viel Bearbeitungszeit investiert wurde.
- Schräger Bohrungsverlauf: Ohne exakte CNC-Führung und stabile Spülung kann die Bohrung „wandern”. Die Folge sind Winkelfehler, die sich beim Einfädeln des Drahts direkt auf die Schnittqualität auswirken.
- Unzureichende Spülung: Wird der Abtrag nicht sauber ausgespült, entsteht unregelmäßiger Materialabtrag und eine raue Innenwandung des Startloches. Das erschwert das Einfädeln und kann die Standzeit von Elektrode und Draht beeinträchtigen.
Kurz gesagt: Wer beim Startlochbohren spart - an Zeit, an der Elektrode oder an der Sorgfalt bei der Positionierung - zahlt beim fertigen Bauteil drauf.
Praxistipps für die Werkstatt
- Elektrode passend zur Aufgabe wählen: Material (Messing, Kupfer, Hartmetall) und Durchmesser der Rohrelektrode richten sich nach Werkstückmaterial, gewünschtem Bohrungsdurchmesser und Bohrungstiefe.
- Spülung nicht unterschätzen: Eine konstante, ausreichend dimensionierte Dielektrikum-Zufuhr, ist die Voraussetzung für eine saubere, gratfreie Startlochbohrung.
- Elektrodenverschleiß im Blick behalten: Regelmäßige Kontrolle und rechtzeitiger Wechsel verhindern Konizität und Maßabweichungen.
- Erst sauber positionieren, dann bohren: Eine sorgfältige CNC-Programmierung und Nullpunktbestimmung zahlt sich beim nachfolgenden Drahterodieren mehrfach aus.
Fazit
Startlochbohren / Startlocherodieren wirkt auf den ersten Blick wie ein kleiner Zwischenschritt - tatsächlich ist es die Grundlage für jedes präzise Drahterodier-Bauteil mit geschlossener Kontur. Wer hier auf die richtige Elektrode, verlässliche Spülung und exakte Positionierung achtet, spart sich kostenintensiven Ausschuss und Nacharbeit.
Ihr Redaktionsteam der HVS-GERA GmbH (Grafikinhalte sind KI–generiert)